Artikel von Pascal Büsser, Linthzeigung

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«Interessen und Angst vor Neuem vermengen sich»

Das geplante Event-Schiff im Rapperswiler Hafen sorgt für Kontroversen. Stadtpräsident Martin Stöckling erklärt, wieso der Stadtrat hinter dem Projekt steht.

Stadtpräsident Martin Stöckling sieht im Event-Schiff «mehr Positives als Negatives».
PASCAL BÜSSER/ARCHIV

Das geplante Event-Schiff von Unternehmer Oliver Bühler im Rapperswiler Hafen sorgt für Diskussionen (die «Linth-Zeitung» berichtete). Nun nimmt Stadtpräsident Martin Stöckling Stellung.

Wieso will die Stadt ein grosses neues Event-Schiff für private Gruppen im relativ kleinen Rapperswiler Hafen parken lassen? 
Martin Stöckling: Ein Hafen dient dem Zweck, Parkplätze für Schiffe zur Verfügung zu stellen. Das Event-Schiff bietet ein neues Angebot für eine breite Bevölkerung – das bedingt auch eine gewisse Grösse. Es ist mal etwas Neues und führt zu einer Bereicherung und generiert lokale Wertschöpfung.

«Das Schiff ist eine Bereicherung und generiert lokale Wertschöpfung.»

Oliver Bühler rechnet mit 80 bis 100 Fahrten im Jahr. Das heisst, das Schiff wird die meiste Zeit im Rapperswiler Hafen parkiert sein. Was ist der Mehrwert aus öffentlicher Sicht?
Wir haben jetzt schon drei Schiffe im Hafen, die permanent dort sind. Der Stadtrat sieht im Event-Schiff mehr Positives als Negatives.

Jährlich bewegen sich laut Touristikern gegen 1,5 Millionen Personen am Seequai. Das Event-Schiff bringt zusätzliche Frequenzen von zirka 15 000 Personen – mit kaum vorhersehbarem Effekt für das restliche Altstadtgewerbe. Das Schiff beeinträchtigt zugleich das Ortsbild. Stehen «Kosten/Nutzen» da im guten Verhältnis?
Wir haben klare Vorgaben zur Grösse des Schiffs gemacht. Wenn das eingehalten wird, schauen der Stadtrat und die Stadtbildkommission die Beeinträchtigung des Ortsbildes als nicht gravierend an. In den Workshops zur Belebung der Altstadt wurde nach einem «Leuchtturm» am Fischmarktplatz verlangt. Das Visitor Center haben die Bürger abgelehnt. Das ist zu akzeptieren. Das Event-Schiff ist ein neuer Versuch. Wenn wir nichts zulassen und mutlos alles Neue ablehnen, treten wir an Ort.

Wieso hat die Stadt auf eine Ausschreibung für den zusätzlichen Bootsplatz verzichtet, anders als etwa bei der Verpachtung des Stadtsaals «Kreuz»?
Die Stadt ist nicht dazu verpflichtet. Bei den Standplätzen der Hensa gab es auch keine Ausschreibung. Mit der beschränkten Laufzeit des Vertrags bis 2024 erübrigt sich die Ausschreibung sowieso.

2024 will die Stadt den Hafen sanieren und die Plätze neu ausschreiben. Macht es überhaupt Sinn, für die relativ kurze Zeit neue Steganlangen zu bauen?
Da Oliver Bühler den Steg finanziert, ist das seine unternehmerische Entscheidung und sein Risiko. Für den Stadtrat war die Befristung ein wichtiger Punkt in der Gesamteinschätzung.

Wäre es aufgrund des geschützten Ortsbildes der Altstadt nicht angebracht gewesen und auch politisch klug, die Denkmalpflege vor der Auflage des Projekts einzubeziehen? Gerade nach den Protesten gegen das Visitor Center letztes Jahr.
Die neue Steganlage stellt keine Beeinträchtigung der Altstadt dar und ein Schiff ist per Definition keine Baute oder Anlage, die in den Zuständigkeitsbereich der kantonalen Denkmalpflege fällt. Zudem ist der Schiffsentwurf noch nicht final. Die Bauverwaltung entschied sich, die Denkmalpflege nach der Auflage und in Kenntnis der Einsprachen beizuziehen. Wir erwarten eine schriftliche Stellungnahme des Denkmalpflegers.

Steht der Stadtrat auch noch hinter dem Projekt, falls es die kantonale Denkmalpflege nun ablehnen sollte?
Die Baukommission wird die Stellungnahme beraten und in den Entscheid einbeziehen.

«Wenn wir mutlos alles Neue abwehren, treten wir an Ort.»

Die Kritiker kreiden der Stadt an, dass aus der Bauauflage für den Steg die Dimensionen des Schiffs nicht klar hervorgingen. Das mag rechtlich einwandfrei sein. Hätte man aus politischer Sicht aber nicht klar sagen müssen, wie gross das Boot wird?
Wir können nicht jedes Rechtsverfahren verpolitisieren, wie das die Gegner machen. Der Prozess ist ein anderer. Oliver Bühler kann sein Schiff erst fertig projektieren, wenn er eine Baubewilligung hat. Die Auflage beschränkte sich rechtlich nun mal auf den Steg. Die Dimensionen des Schiffs werden im Mietvertrag für den Schiffssteg festgelegt. Dieser tritt in Kraft, sobald die erforderlichen Bewilligungen für das Projekt der Bauherrschaft rechtskräftig sind.

Wäre für ein Projekt an dieser prominenten Lage nicht eine offensive Kommunikation, auch der Stadt, angezeigt gewesen und hätte das nicht auch weniger Widerstand erzeugt?
Ich glaube, dass sich hier verschiedene Interessen und die Angst vor Veränderungen und Neuem vermengen. Die Stadt hat eine Bauanzeige für einen Schiffssteg der Meee AG öffentlich aufgelegt. Es liegt noch keine Baubewilligung vor. In der Regel kommunizieren wir solche Zwischenergebnisse nicht, respektive wie immer in den öffentlichen Publikationsorganen. Es handelt sich ja nicht um ein Projekt der Stadt, sondern das einer privaten Bauherrschaft.

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