Linthzeitung, Pascal Büsser, 27. Januar 2019

Liegenschaftsbesitzer, Wirte und die Konkurrenz wehren sich gegen das geplante Event-Schiff im Rapperswiler Hafen. Bauchef Thomas Furrer verteidigt den Entscheid der Stadt zugunsten der «Innovation».

Es existiert erst auf dem Papier. Und trotzdem sorgt es bereits für breiten Widerstand: das geplante Event-Schiff, das der ortsansässige Unternehmer Oliver Bühler im Rapperswiler Hafen stationieren möchte (wir berichteten). Das Baugesuch für die dafür nötigen Steganlagen ist Ende Jahr aufgelegen. Vier Einsprachen liegen gegen das Projekt laut dem städtischen Bauchef Thomas Furrer vor. Sie stammen von Liegenschaftsbesitzern an der See-Promenade, dem Wirte-Verein gastliche Altstadt sowie der Hensa.

Kritisch geäussert haben sich gegenüber dem Stadtrat auch das Architekturforum Obersee (AFO) sowie der ortsansässige Kulturwissenschaftler Peter Röllin und der Historiker Basil Vollenweider. Und auch der Verein der Altstadtbewohner betrachtet das Projekt ablehnend-kritisch. Es profitiere vom Projekt nur Bühler, der auf Event-Fahrten für Gruppen und Firmen abzielt.

Kritik an der Grösse des Bootes

Im Zentrum der Kritik stehen die Dimensionen des geplanten Schiffs für – je nach Einrichtung – 50 bis 300 Personen. Die Öffentlichkeit habe davon nichts als eine verstellte Aussicht auf See und Altstadt, so die Kritiker. Das Boot passe nicht ins geschützte Ortsbild von nationaler Bedeutung und habe störenden Einfluss auf den Hafenbetrieb. So sieht die Hensa aufgrund des zusätzlichen Schiffes die Sicherheit im Hafen gefährdet.

Die Hensa poche nicht auf ihre Monopolstellung, sagt Oliver Hensler von der Hensa AG. «Wir erwarten einfach, dass für alle die gleichen Regeln gelten.» Zentral sei für die Hensa, dass sie ihren Betrieb mit den drei Fahrgastschiffen und der Boots- und Pedalovermietung aufrecht erhalten könne. «Bei vier Passagierschiffen, den Pedalos und den Gästebooten wird es im kleinen Rapperswiler Hafen relativ eng», so Hensler. Man habe deshalb aufgrund der Bedenken wegen der Sicherheit der Kleinboote und dem An-undAblegen eines der eigenen Schiffe wegen Bühlers zusätzlichem Schiff eine Einsprache gemacht.

Furrer: Formell gehts um Steg

Formell ging es bei der Baubewilligung nur um die Steganlagen, wie Furrer betont. Denn das Schiff selber brauche lediglich eine Betriebs- und keine Baubewilligung. Viele Einsprachepunkte richteten sich jedoch gegen die Dimensionen des Schiffs. «Inwiefern diese rechtlich relevant sind, ist noch offen», so Furrer. Klar wurde aus der Bauanzeige: Es sollen zwei Stege von rund 32 bis 33 Metern Länge gebaut werden. Dazu ein Hubpodest von rund drei mal drei Metern sowie eine 2,5 Meter hohe und 1,3 Meter breite Informationstafel am Rande des Fischmarktplatzes, Richtung See.

Daraus ergibt sich eine Länge von rund 30 und eine Breite von rund acht Metern für das Schiff. Nicht klar aus der Bauanzeige für den Steg hervor ging die Höhe des Schiffes. Dies führte denn auch zu Kritik und Mutmassungen der Einsprecher. Dass eine klare Visualisierung des Schiffes im Kontext der Hafenanlage fehlte, wird der Stadt angekreidet. «Das eigentliche Problemobjekt wird unverschämt umschifft», schrieben Röllin und Vollenweider an den Stadtrat.

Angekreidet wird dem Stadtrat zudem, dass er die kantonale Denkmalpflege nicht in die Projektentwicklung einbezogen hat. Auf Kritik stösst auch, dass die Stadt Bühler das vereinfachte Verfahren gewährt habe. Dies war laut Furrer allerdings nicht der Fall, sondern in der Bauanzeige falsch markiert. «Das Projekt lag ordentlich auf.»

Maximalgrösse in Mietvertrag

Die Maximalmasse des Schiffes würden im Mietvertrag mit Bühler festgehalten, erklärt Furrer. Das Schiffdach dürfe sechs Meter aus dem Wasser ragen. Damit liege es nicht höher als die Baumkronen am Seequai und sei auch nicht massiv höher als die Hensa-Schiffe (siehe Bild oben). Auf dem Dach ist beim Bühler-Schiff allerdings noch ein Geländer sowie ein Technik-Bügel geplant (siehe Skizze Mitte).

«Der Stadtrat und die Stadtbildkommission sind nicht der Meinung, dass dieses Schiff das Ortsbild in einem Masse beeinträchtigt, dass man es ablehnen müsste», so Furrer. Zudem sei ein Schiff keine irreversible Massnahme. Der Mietvertrag mit Bühler wäre bis 2024 begrenzt. Bekäme er dann keinen Zuschlag mehr, müsste er die Steganlage verkaufen oder rückbauen.

Nun warte die Stadt auf die Stellungnahme des kantonalen Denkmalschutzes. Dass man diesen nicht schon vorher einbezogen hat, begründet Furrer so: «Ohne konkretes Projekt bekommt man keine brauchbare Stellungnahme.» Liege diese vor, entscheide die Bau- und Umweltkommission über die Einsprachen.

Befürchtungen der Wirte

Seitens der Altstadtwirte weckt laut Furrer neben den Dimensionen des Schiffes auch der angedachte Betrieb Befürchtungen. So sind zwar laut Baueingabe grundsätzlich keine Veranstaltungen im Hafen möglich. Während des Eintreffens der Gäste dürften diese aber im Hafen verpflegt werden. Gemäss Bühler dauert das ein bis 1,5 Stunden. Die Wirte befürchten offenbar, dass diese Zeit ausgedehnt werden könnte. «Wenn nötig, kann man das in der Betriebsbewilligung regeln», sagt Bauchef Furrer zu dieser Kritik.

«Der Stadtrat wollte mit dem Entscheid bewusst einen Impuls für Innovation im Hafen setzen.»

Thomas Furrer, Bauchef Rapperswil-Jona

«Der Stadtrat wollte mit dem Grundsatzentscheid für Bühlers Schiff bewusst einen Impuls für Innovation im Hafen setzen», so Furrer. Betreffend allgemeinem Nutzen des neuen Schiffes meint er: «Der Betrieb bringt Frequenzen.» Das werde im Rahmen der Diskussion um die Altstadtbelebung ja immer gefordert. Wie viel Zusatznutzen diese Frequenzen für das restliche Gewerbe in der Altstadt generierten, sei schwer abzuschätzen.

Keine Schiffs-Bar im Hafen
Für Einsprachen von Wirten und Liegenschaftsbesitzern hatte letztes Jahr auch ein Projekt der Hensa gesorgt. Sie wollte auf jeweils einem ihrer drei Schiffe an schönen Abenden eine Bar betreiben. «Wir dachten, dass wir mit einem begrenzten Barbetrieb den Hafen beleben können», sagt Oliver Hensler von der Hensa AG. Aufgrund des Widerstands von Liegenschaftsbesitzern und Wirten verzichte man nun aber darauf. «Ein Barbetrieb im Hafen ist vorderhand kein Thema mehr», so Hensler. (pb)

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